Chiemgau-Impakt (oder Chiemgau-Einschlag) bezeichnet einen mittlerweile vielfach belegten Meteoriteneinschlag als ein außergewöhnliches Ereignis in vorgeschichtlicher Zeit (Bronzezeit, Keltenzeit), bei dem ein kosmischer Körper (Komet oder Asteroid) in Südostbayern einschlug und ein großes Kraterstreufeld mit allen einschlägig wichtigen Belegen hinterließ. Diese Webseite widmet sich allen Aspekten der Forschung mit Berichten und Publikationen zu den Geowissenschaften, der Astronomie, Archäologie und Geschichtswissenschaft, aber auch den Diskussionen zu diesem spektakulären Forschungsgebiet. Die im Wikipedia-Artikel „Chiemgau-Einschlag“ bisher zu lesende Behauptung, dass die Hypothese des Impaktes widerlegt sei, war grob irreführend und verkörperte, parteiergreifend, die Position von Gegnern des Chiemgau-Impaktes.
Liste mit ca. 45 internationalen Publikationen zur Forschung mit Belegen des Chiemgau-Impakts – Beiträge aufrufbar. Wikipedia ad absurdum.
Im Hinblick auf den Wikipedia/KI Beitrag, der auf schlimme Art und Weise den Chiemgau-Impakt, der mittlerweile als das bedeutendste holozäne Impaktereignis weltweit zu gelten hat, erneut mit Hilfe des Administrators als widerlegt diskreditiert, bringen wir hier eine Auflistung der seit 2010 bis heute 2026 publizierten Literatur zum Chiemgau-Impakt. Es handelt sich um Peer-Review Artikel in renommierten Zeitschriften sowie in Peer-Review-akzeptierten Beiträgen zu den international renommierten Tagungen Lunar & Planetary Science Conferences, Meteoritical Society Meetings und Fall Meetings der American Geophysical Union. Die meisten der hier aufgeführten Beiträge (insgesamt ca. 45) können über die DOI-Nummern aufgerufen werden; sie sind aber auch in den Wissenschaftsportalen von Researchgate und Academia im Internet anklickbar.
Einleitend zu unserem folgenden Beitrag ein wichtiger KI-Beitrag zur Neutralität von Wikipedia:
Diese Wikipedia-Maxime erklärt unmissverständlich, dass der Wikipedia-Eintrag Chiemgau-Einschlag die Wikipedia-Richtlinien durchgehend gröblichst verletzt und daher von Wikipedia gelöscht werden sollte.
Schlimmer geht’s nimmer. Wikipedia ist wieder von der Enzyklopädie zur Meinungsmaschine zurückgekehrt. Die Rückkehr zum „kalten Krieg“ der Ablehnung des Chiemgau-Impakts (Wikipedia: Der Chiemgau-Einschlag) durch wohl „einschlägig“ bekannte Gegner mit Hilfe des ganz offensichtlich voreingenommenen Wikipedia Administrators ist ein schlimmes Zeichen für Wikipedia und assoziiertes KI.
Der Begriff Chiemgau-Einschlag oder Chiemgau-Impakt bezeichnet eine widerlegte Hypothese über den Einschlag eines Kometen/Asteroiden, der nach dem Eindringen in die Erdatmosphäre explodiert sein soll und dessen Trümmer angeblich im Chiemgau niedergingen. Der Einschlag soll sich zwischen 2200 und 300 v. Chr. ereignet haben.[1][2]
Die im Jahr 2000 erstmals von Amateur-Archäologen geäußerte Vermutung der Existenz eines Chiemgau-Einschlages gilt in der Zwischenzeit durch mehrere unabhängige Untersuchungen aus den Fachbereichen Geologie (Sedimentuntersuchung) und Botanik (Pollenanalyse) sowie Altersdatierung (Radiokarbonmethode) als widerlegt.[3][4][5]
Untersuchungen, die der Hypothese des Chiemgau-Einschlag widersprechen. … usw. usw.
Und das schreibt die angehängte Übersicht mit KI
Der Chiemgau-Einschlag (auch Chiemgau-Impakt) ist eine wissenschaftlich widerlegte Hypothese über den angeblichen Einschlag eines Kometen oder Asteroiden in Südostbayern in der Bronze- oder Eisenzeit (ca. 2200 bis 300 v. Chr.). Die Vertiefungen in der Landschaft (wie der Tüttensee) gelten nach der Lehrmeinung als eiszeitliche Toteislöcher…
Mit dem nachfolgenden Bodenradar-Bild vom Ringwall des Tüttensee-Impaktkraters belassen wir es dabei. Bild stammt aus dem Poster zum Anklicken DOI: 10.13140/RG.2.2.14503.41125
Mein Kommentar: Einen dümmeren Artikel zu unserem Impakt habe ich schon lange nicht mehr gelesen – und das in der SZ. Kein Ruhmesblatt für die SZ! Es liest sich, als ob R. Darga dem Journalisten die Feder geführt hat. Matthias Köpf ist dem Artikel gemäß aus Grabenstätt. Vielleicht sollte er mal zum dortigen Rathaus gehen und das Impakt-Museum in der Schloßökonomie besuchen.
Aber dazu passt wunderbar der jüngste sehr aufschlussreiche Beitrag, den H.-P. Matheisl von der KI hat verfassen lassen und der hier angeklickt werden kann:
Für die jährliche renommierte Tagung der LPSC 2026 (58th Lunar & Planetary Science Conference in Houston/The Woodlands im März) sind wieder neue Beiträge (ePoster) zu unserer – man muss schon sagen: gänzlich neue Entwicklung einleitenden – Impakt-Forschung angenommen worden. Schon jetzt sind die Abstracts im Web publiziert worden und können auch hier angeklickt werden:
Untersuchung des Chiemgau-Impakt-Ereignisses (Meteoriten-Einschlag in Südost-Bayern) und seiner Kraterstreufelder mithilfe extrem hochauflösender Digitaler Geländemodelle (DGM 1).
Den folgenden Text hat Hans Matheisl mit seinem KI Assistenten erzeugt.
Wichtige Erkenntnisse
Chiemgau-Impakt
Datierung: ca. 900–600 v. Chr. (Bronze-/Eisenzeit).
Streufeld: über 100 Krater, verteilt auf ca. 60 × 30 km.
Kraterdurchmesser: von wenigen Metern bis 1.300 m.
Vermuteter Impaktor: ~1 km großer, lockerer Asteroid oder Komet, der in der Atmosphäre zerbrach (Touchdown-Airburst).
Geologische und physikalische Belege
Krater in lockeren Sedimenten (nicht in festem Gestein).
Funde: Schockmetamorphose, Impaktgläser, polymiktische Brekzien, Mikrotektite, Metall- und Kohlenstoffsphärulen.
Seltene Minerale: Gupeiit, Xifengit, Hapkeit, Moissanit, Carbide und CAIs.
Tsunami-Spuren im Umfeld des Chiemsees durch Doppelkrater am Seegrund.
Paradigmenwechsel durch DGM 1
Horizontale Auflösung: 1 m, vertikal bis 0,1 m.
Vegetation und Gebäude werden entfernt → reine Bodenstruktur sichtbar.
Neue Analyse von Kratermorphologien möglich (z. B. Fingerstrukturen, Mehrfachringe, terrassierte Ränder).
Vergleich mit Kratern auf Mond und Mars.
Große Kratergruppen (Beispiele)
Brunnensee/Griessee: komplexe Mehrfachstruktur, keine Toteisbildung.
Obing: symmetrische Profile, fingerartige Ränder durch Instabilitäten (Rayleigh-Taylor, Kelvin-Helmholtz).
In Fortführung unserer Beschreibung mit einer Zusammenfassung des Impakt-Inventars der Chiemgau Streuellipse bringen wir hier den zweiten Teil, der wiederum auf Englisch beim Wissenschaftsportal Researchgate als Vordruck (Preprint) veröffentlicht wird. Sowohl die englische Version als auch eine deutsche Computer-Übersetzung können hier als PDF heruntergeladen werden (Titel aklicken):
Das obige Startbild zeigt topogafische Karte und Gelände-Oberfläche des Digitalen Geländemodells DGM 1 für das Naturdenkmal beim Pferdehof Seeon, das seit jeher als typisches Toteisloch der letzten Eiszeit in Karten und Beschreibungen geführt und vom Bayerischen Landesamt für Umwelt LfU als besonders sehhenswertes Geotop gelistet wird.
Das DGM 1 steht hier sinnbildlich für ein notwendiges Umdenken in der bayerischen Eiszeitforschung des LfU, das weiterhin an einer nie wissenschaftlich-geologisch begründeten Toteis-Hypothese mit unzähligen sogenannten Toteislöchern und ihrer Ausweisung als Geotop festhält, was jüngst in einem Artikel exemplarisch dokumentiert wurde und als Auswuchs von Wissenschaftsverfälschung durch das LfU beim Tüttensee-Meteoritenkrater zu konstatieren ist.
Zur renommierten Konferenz der American Geophysical Union im Dezember in New Orleans sind die beiden folgenden iPoster zur Präsentation angenommen worden, deren Abstract-Ankündigungen jetzt heruntergeladen werden können:
Aus der AGU-Ankündigung (übersetzt): Jedes Jahr versammelt die AGU-Jahrestagung, das größte Treffen von Erd- und Weltraumwissenschaftlern, mehr als 25.000 Teilnehmer aus über 100 Ländern, um Forschungsergebnisse auszutauschen und Kontakte zu Freunden und Kollegen zu knüpfen. Wissenschaftler, Pädagogen, Politiker, Journalisten und Kommunikatoren nehmen an der AGU25 teil, um unseren Planeten und unsere Umwelt besser zu verstehen, Wege zu neuen Entdeckungen zu eröffnen, ein größeres Bewusstsein für den Klimawandel zu schaffen, eine stärkere Zusammenarbeit zu fördern, um Lösungen zu finden, und die Bereiche und Berufe der Wissenschaft für ein ganz neues Zeitalter der Gerechtigkeit, Gleichheit, Vielfalt, Inklusion und Zugehörigkeit zu öffnen.
Warum sind die Meteoritenkrater auf dem Mond fast alle kreisrund, bei unserem Chiemgau-Impaktstreufeld aber vielfach stark unregelmäßig geformt?
von Kord Ernstson
Diese Frage wird in jüngster Zeit zusammen mit anderen Fragen zu unserer (meiner und von Jens Poßekel) neuen, wegweisenden Impaktforschung zu „Touchdown“ Airburst-Impakten und zum extrem hochauflösenden Digitalen Geländemodell DGM 1 vermehrt gestellt. Anlass sind sicherlich die regelmäßigen Beiträge von Jens und mir zu renommierten internationalen Tagungen (Lunar and Planetary Science Conference, American Geophysical Union, Meteoritical Society), die wir hier im Internet auch stets vorstellen. Diese Beiträge auf Englisch müssen allerdings verständlicherweise hochwissenschaftlich abgefasst werden, damit sie für die Präsentation auf den Kongressen im Gutachterprozess (Peer Review) akzeptiert werden, was bisher immer der Fall war.
Hier ist beabsichtigt, einige der wesentlichen Sachverhalte dieser neuen spannenden Forschung allgemeinverständlich auch mit ganz elementaren physikalischen und astronomischen Zusammenhängen vorzustellen.
Abb. 1. Ausschnitt der Mondoberfläche mit großen und kleinen kreisrunden Einschlagkratern. NASA-Bild. – Ausschnitte der DGM 1-Oberfläche mit einer Ansammlung komplexer, sich teilweise überlagernder Kraterbildungen; nordöstlich von Chieming am Chiemsee.
Warum sind die Meteoritenkrater auf dem Mond fast alle kreisrund, bei unserem Chiemgau-Impaktstreufeld aber vielfach stark unregelmäßig geformt?
Die Antwort auf die Eingangsfrage ist sehr einfach:
Auf dem Mond gibt es im Gegensatz zur Erde keine Atmosphäre und demzufolge auch keine Airburst-Impakte.
Was versteht man unter einem – englisch voll formuliert – „low-altitude touchdown airburst impact“? Vermehrt setzt sich in der Forschung die Erkenntnis durch, dass wir auf der Erde zwar Dokumente großer Einschläge mit ihren Kratern seit dem Präkambrium haben (von der traditionellen Impakt-Forschung rund 200 akzeptierte), dass aber sogenannte Airburst-Impakte einen weitaus größeren Anteil an einer realen Bedrohung der Erde aus dem Weltraum haben.
Bei einem Touchdown Impakt-Airburst in geringer Höhe über der Erdoberfläche geht man davon aus, dass ein Asteroid oder Komet es „schafft“, weitgehend ungebremst durch die Erdatmosphäre erst relativ dicht über der Erde in einer gewaltigen Explosion (Airburst) auseinandergerissen wird und mit extremen Drücken und Temperaturen die Erdoberfläche beaufschlagt.
Und genau das dürfte nach all unseren Erkenntnissen der letzten Jahre hier bei uns im Chiemgau 900-600 v.Chr. passiert sein.
Mittlerweile ist die Impaktforschung soweit, solche Low-Altitude Airburst Impakte am Computer zu modellieren (Hydrocode Models), wovon hier ein Bild gezeigt wird:
Abb. 2. Hydrocode-Modellierung der Druckverteilung eines 140 m großen Kometen-Airburst 300 m über der Erdoberfläche, 110 Millisekunden nach der Explosion. 4 = einschlagende Fragmente, die unzählige flache Krater erzeugen. Zu dieser Zeit hat sich der Airburst ca. 2 km ausgedehnt. Das Bild stammt aus einer ganzen Folge von Szenen des Airburst-Impakts für Druck, Temperatur und Materiebewegungen (aus West et al. 2024).
Und mit dieser Modellierung ist auch gezeigt, warum die Spuren solcher Airburst-Impakte bisher nie erkannt wurden. Die Krater, häufig dicht gedrängt als Relikte der einschlagenden Kometen-Fragmente, sind extrem flach und durch Überlagerung der Projektile auch unregelmäßig geformt, und werden entweder im Gelände überhaupt nicht erkannt, oder, falls geologisch etwas älter, ganz rasch zusedimentiert oder verschwinden ganz durch Erosion.
Und hier schlägt die Stunde des Digitalen Geländemodells DGM 1, das wir mittlerweile kostenlos von der Bayerischen Vermessungsverwaltung in Form von ca. 70 000 Datenkacheln der Größe 1 km x 1 km online für ganz Bayern herunterladen können. Und aus diesen Kachel-Daten (1 Million Sätze pro Kachel) können wir am Computer mit einem geeigneten Programm (Surfer) und mit viel langjähriger Erfahrung extrem hochaufgelöste topographische Karten und Höhenprofile bis in den Dezimeter- und Zentimeterbereich erstellen, und das für Krater im dichtesten Wald oder im sumpfigen Gebiet der Eggstätter Seeplatte.
Sie lesen richtig: Selbst die Umrisse und Formen hunderte Meter großer Krater können wir hinunter bis in diese extreme Auflösung graphisch darstellen, studieren und interpretieren.
Was wiederum Anlass für Verwirrung gesorgt hat, als Mitglieder des Vereins, die bei einem Krater der Eggstätter Seenplatte im Gelände nachvollziehen wollten, den bei uns beschriebenen Ringwall zu sehen, enttäuscht waren und die Aussagen des DGM 1 sogar anzweifelten.
Abb. 3. Das Digitale Geländemodell des Eschenauer Kraters der Eggstätter Seenplatte. Zweierlei: Der Ringwall zwischen Profilmeter ca. 80 und PM 180 ist also ca. 100 m breit bei einer Gesamthöhe von nicht mehr als 50 cm bis 1 m. Kein Wunder, dass der Mensch im Gelände diesen Wall nicht erkennen kann; aber das DGM 1 sieht ihn perfekt auch in Einzelheiten. Zweitens: Spiegelt man das diametrale Profil, sieht man praktisch deckungsgleichen Verlauf mit Höhendifferenzen von Wall und Randbereich von nicht mehr als 50 cm über eine Strecke des Sees von immerhin 500 m. Diese perfekte Spiegelsymmetrie zeigt in dieser unerhörten Präzision allein das DGM 1 und beweist gleichzeitig die unbestreitbare Entstehung des Sees durch eine grob punktförmige Explosion in der Höhe darüber, von der eine sphärische Schockwelle ausging, die natürlich eine flache kreisförmige Deformation am Boden erzeugte. Toteis oder andere geologische Prozess oder der Mensch können das nicht gemacht haben.
Und genau das ist der Punkt: Diesen fast perfekt kreisrunden Impaktkrater mit einem Ringwall konnten die früheren Eiszeitforscher natürlich überhaupt nicht erkennen und machten eine Toteis-Depression daraus. Wie unsere enttäuschten Besucher der Seenplatte, zu der das DGM 1 mittlerweile eine Vielzahl neuer kreisrunder Impakte beigetragen hat.
Aber auch auf dem Mond (und Mars) gibt es nicht nur perfekt kreisrunde Krater, was uns angeregt hat, in einem Tagungsbeitrag (LPSC 2024) die verblüffenden Ähnlichkeiten zwischen nichtrunden Mond/Marskratern und solchen von unserem Chiemgau-Impakt aufzuzeigen. Das hat aber nun nur indirekt mit Airburst-Impakten zu tun (die es auf Mond und Mars nicht gibt), sondern wird in der Regel einer stark geneigten Impakt-Bahn zugeschrieben. Genau das können wir auch bei. unseren elliptischen und Schmetterlings/Hufeisen- Chiemgau-Kratern tun, wenn wir an den über der Erdoberfläche explodierenden Kometen denken, dessen Bruchstücke natürlich schräg zu einem elliptischen Krater einschlagen.
Abb. 4. Gegenüberstellung von Kratern des Chiemgau-Impakts (DGM 1) und ähnlichen von Mond und Mars (schwarz-weiß). NASA-Fotos.
Abb. 5. Gegenüberstellung von Kratern des Chiemgau-Impakts (DGM 1) und ähnlichen von Mond und Mars. NASA-Fotos.
Ein offensichtliches Missverständnis beim DGM 1 gilt es auch auszuräumen: die offfensichtlich nicht verstandene am Computer teilweise starke Überhöhung der DGM 1-Karten der Geländeoberfläche bei den Kratern. Das ist natürlich gewollt, um Details der Kraterformen besser herauszuarbeiten – ein ganz wesentliches Merkmal der neuen Impaktforschung – zuvor undenkbar oder allenfalls ganz grob mit extrem aufwändigen Präzisionsnivellements zu erzielen, sofern im Gelände überhaupt zugänglich und bezahlbar. In der Optik würde niemand auf die Idee kommen, die Verwendung von Mikroskopen zur Vergrößerung winziger Strukturen in Frage zu stellen.
Abb. 6. DGM 1 3D-Karte der Geländeoberfläche: kleiner unbekannter Begleitkrater vom Mittersee-Krater, Eggstätter Seenplatte. Schräge Draufsicht nach Nordost. Der Wall ist maximal 2,5 m hoch.
Die beiden Poster zu den Beiträgen über den Chiemgau-Impakt und das Digitale Geländemodell DGM 1 auf dem Kongress der Meteoritical Society in Perth, Australien, können hier angeklickt werden. Sie stellen bisherige Forschungen zur Eiszeit im Alpenvorland einmal wieder in Frage.
Hier die deutschen Zusammenfassungen der beiden Poster:
Wir berichten über einen neu identifizierten Einschlagkrater mit einem Durchmesser von 1.100 m als Teil des holozänen Chiemgau-Einschlagkrater-Streufeldes, der die bisherige Interpretation als Gletscherzunge widerlegt.
Wir berichten über eine Erweiterung des Chiemgau-Einschlagkrater-Impaktfeldes durch die Dokumentation einer Ansammlung zahlreicher neuer komplexer Strukturen mit Durchmessern von bis zu 1.300 m unter Verwendung des extrem hochauflösenden digitalen Geländemodells DGM 1, was das derzeitige Gletschermodell der Region aus der Eiszeit in Frage stellt.
Mit den neuen Möglichkeiten des extrem hochauflösenden Digitalen Gelöndemodells DGM 1 bekommt der Tüttensee-Meteoritenkrater im holozänen Chiemgau-Impaktstreufeld ein völlig neues Gesicht. Der Impakt hat außer dem seit 20 Jahren etablierten 600 m messenden Tüttensee-Krater einen direkt begleitenden Nebenkrater mit rund 300 m Durchmesser, einen morphologisch abweichenden gelängten Krater mit einem ebenfalls gelängten markanten Zentralberg mit den Gesamtmaßen grob 800 m x 400 m, sowie ein Cluster aus kleineren Kratern unmittelbar nördlich des Tüttensees. Dieser neue Befund belegt erneut, wie stark das DGM 1 und seine vielfältigen Möglichkeiten des Datenprocessing und seiner Graphik-Möglichkeiten die Impaktforschung in eine völlig neue, bisher ungeahnte Richtung gebracht haben, was von der etablierten Impaktforschung noch weitestgehend ignoriert wird. Ähnlich verhält es sich mit der amtlichen Geologie und im Publikationswesen der Zeitschriften, die diese neue Entwicklung nicht nur ignorieren, sonden auch bekämpfen, was exemplarisch hier beim Tüttensee-Impakt deutlich wird.
Zur diesjährigen Herbsttagung der American Geophysical Union AGU in Washington, weltweit größter geowissenschaftlicher Kongress, ist vom CIRT wieder ein iPoster angenommen worden, das seit gestern (9. 12. 2024) in der iPoster-Gallerie präsentiert wird.
Das Poster zu neuen Erkenntnissen zum Impakt mit dem Digitalen Geländemodel DGM 1 kann hier angeklickt und geöffnet werden:
Das Digitale Geländemodel des Chiemgau-Impakts – die neue Welt der Impaktforschung. – Das Beispiel des Eglsees bei Seeon
von Kord Ernstson, Universität Würzburg (kernstson@ernstson.de), und Jens Poßekel, Geophysik Poßekel, 45479 Mülheim (possekeljens@gmail.com)
Zusammenfassung
Die Anwendung, Auswertung und Interpretation des neuartigen, extrem hochauflösenden Digitalen Geländemodels DGM 1 wird hier exemplarisch für den allgemein als eizeitliches Toteisloch beschriebenen und in Karten so vermerkten Eglsee östlich von Seeon diskutiert. Das DGM 1 zeigt in dieser hohen Auflösung, dass die heute verlandete Seestruktur, die aus mehreren untereinander verbundenen Einzelbecken besteht, rundum einschließlich der Einzelbecken von einem Ringwall umgeben ist, und dass im größten Becken und in einem markanteren Nebenbecken jeweils eine merkliche zentrale Erhebung existiert. Beides, der Ringwall und die mittleren Aufwölbungen, schließen eine eiszeitliche Entstehung als Toteiswanne oder Toteisloch definitiv aus und werden von uns als eine multiple Einschlagstruktur des Chiemgau-Impakts erklärt. Durch die Verlandung kann die maximale Tiefe des Impaktkraters mit dem DGM 1 sehr präzise zu maximal 2 m bestimmt werden. Die extreme Flachheit passt gut zu der in jüngster Zeit zu beobachtenden und publizierten Vorstellung, dass es sich beim Chiemgau um einen sogenannten Near-surface Touchdown Airburst Impact gehandelt hat, bei dem wegen der Explosionen nahe der Erdoberfläche überwiegend nur sehr flache Impaktstrukturen entstehen, was sich auch beim Seeon-Eglsee ausdrückt. Ein interessantes „Nebenprodukt“ der DGM 1 Analyse ist ein auffallender flacher länglicher Hügel südlich des Eglsees, der als Turmhügel einer nicht mehr existierenden mittelalterlichen Burg in der bayerischen Archäologie und in Karten als der Turmhügel von Steinrab geführt wird. Im DGM 1 erkennt man die große Besonderheit, dass die damalige Burg auf dem bereits existierenden Zentralberg einer weiteren, grob 200 m großen elliptischen Impaktstruktur errichtet wurde, was hier in einem Anhang ausführlicher diskutiert wird. Ferner finden sich im Anhang ein kurzer erklärender Abschnitt zur Methodik des DGM 1 sowie ein kurzer Abschnitt zum jüngst in der Impaktforschung verstärkt diskutierten Touchdown-Impakt.
Dabei ist zu bedenken, dass die Übersetzung der Einfachheit halber mit der Übersetzermaschine Deepl vorgenommen wurde. Das hat zur Folge, dass im PDF erhebliche Formatierungsfehler auftreten und auch im Literaturverzeichnis sämtliche englischen Zitate ins Deutsche übersetzt sind,
Kommentar aus dem Publikum zum Vortrag von Dr. Robert Darga zum Chiemgau-Impakt:
Vortrag Dr. Darga: „Die andere, fragwürdige Seite des Chiemgau-Impakts“
Quarzkorn mir klassischen PDFs; Nördlinger Rieskrater.
Ein Nachtrag zum Vortragsdetail über Planar Deformation Features (PDF) und Diskussionsbeiträge.
— Ein Petrologe (nach eigener Aussage) artikuliert: Er finde PDFs überall in Steinen bis hinauf in die Oberpfalz.
Frage 1. Warum hat er mit diesem „sensationellen Nachweis eines gigantischen Impakts“ nicht längst einen Aufsatz bei „Meteoritics“ eingereicht und die Impaktforschung bereichert?
Frage 2. Kann es sein, dass er Kraft seiner petrologischen Kenntnisse die Darga’schen „PDFs“ für echte PDFs nimmt? Die findet er NATÜRLICH überall.
Aussage Dr. Darga (wortwörtlich aus dem Publikum mitgeschrieben): Der Stein „zeigt von außen Risse, d.h. er ist geschockt.“
Das trifft sich gut mit Dr. Dargas Aussage in dem Aufsatz von Darga & Wierer zum Tüttensee als Spekulationsblase: Robert Darga & Johann Franz Wierer (2009): Der Chiemgau-Impakt – eine Spekulationsblase – Oder: Der Tüttensee ist KEIN Kometenkrater. In: Auf den Spuren des Inn-Chiemsee-Gletschers – Exkursionen. Pfeil Verlag, München. Dort heißt es auf Seite 176: „ein ‚geschocktes‘ (also bereits mit offenen und ‚unverkitteten’Spalten versehenes) Geröll“.
Damit wird klar, dass weder der Petrologe noch der Geologe Dr. Darga wissen (nicht einmal in bescheidenen Ansätzen) was PDF überhaupt sind. Eine kleine Unterrichtsstunde für die beiden (die vielleicht auch ganz gern noch von anderen Interessierten aufgenommen wird) folgt hier.
PDFs in Quarz ist einer der am überzeugendsten Schockindikatoren, und es gibt dazu eine Menge von Untersuchungen und Analysen (Stöffler 1972, Stöffler & Langenhorst 1994, Grieve et al. 1996, und viele andere). PDFs sind sehr engständige (Abstände < 1 µm bis größenordnungsmäßig 10 µm) und sehr schmale (Bruchteile eines µm) isotrope Lamellen, die kristallographischen Ebenen im Kristall folgen. „Isotrop“ heißt dabei, dass sich PDFs optisch wie ein Glas verhalten. Die Lamellen können homogen oder mit winzigen Eischlüssen dekoriert sein. Nach gegenwärtigem Kenntnisstand können sich PDFs nur unter Schockdeformation bilden, nicht aber in vulkanischen oder tektonischen Prozessen. Minimaldrücke für die Bildung von PDFs in Quarz liegen bei etwa 5 – 10 GPa (= 50 – 100 kbar). PDFs sind übliche Schockmerkmale auch in Feldspäten und werden selten in anderen Mineralen wie z.B. dichteren mafischen Mineralen beobachtet (aus https://www.impaktstrukturen.de/seite-schock-metamorphose/).
Damit kommen wir zu den PDFs des Chiemgau-Impaktes, die in der bisherigen „einschlägigen“ Chiemgau-Impakt-Literatur regelmäßig mit Text und Bildern beschrieben wurden. Hier eine Auswahl von (publizierten) Dünnschliff-Bildern:
Zwei Scharen von PDFs in Quarz; Krater #004 Emmerting.
Mindestens fünf Scharen von PDFs in Quarz; Ringwall des Tüttensee-Kraters. Die fünf Scharen werden nacheinander beim Rotieren des Tisches vom Polarisationsmikroskop (gekreuzte Polarisatoren) sichtbar.
PDFs in Quarz in zwei Sandstein-Brocken aus der Impakt-Katastrophenschicht der Ausgrabung Stöttham. Linke Probe: mindestens vier Richtungen sich kreuzender Scharen. Rechts: Mehrere Scharen; die gebogenen Scharen der PDFs korrespondieren mit Streifen sogenannter undulöser Auslöschung als Ausdruck plastischer Verformung des Kristalls durch den Impakt-Druck (gekreuzte Polarisatoren). Eine Beschreibung und Erklärung steht hier: https://www.impaktstrukturen.de/publikationen/andere-publikationen/sind-gebogene-planare-deformationsstrukturen-pdfs-keine-pdfs/
PDFs gehäuft in Feldspat; Impakt-Schmelzgestein vom Tüttensee-Krater.
Wir fassen uns kurz. Von einem Petrologen und dem Geologen Dr. Darga hätten wir mehr wissenschaftliche Seriosität und Ehrlichkeit erwartet, die wir allerdings seit 20 Jahren in dieser Richtung vermissen. Wir verzichten deshalb auch darauf, weiter kritisch auf den Vortrag einzugehen, bei dem einem wirklich die Spucke wegbleiben konnte.
Auf der diesjährigen Lunar & Planetary Science Conference, die momentan (15.3.2024) in Houston abgehalten wird, gibt es wieder wie in Jahren zuvor Beiträge des CIRT zu „unserem“ Chiemgau-Impakt. Vertreten sind wir mit zwei iPostern, die auf der Tagung in der virtuellen Gallerie veröffentlicht sind, was das folgende Bild vermittelt:
Beide Poster können Sie hier mit den folgenden Links aufrufen:
Verständlicherweise ist die Google-Übersetzung bei diesem wissenschaftlichen Text nicht immer ganz korrekt und manchmal vielleicht kurios und nicht recht verständlich, aber das Wesentliche dürfte zusammen mit den Abbildungen doch verstanden werden.
Nach dem Aufrufen können die vollständigen Poster mit den Pfeilen und Klicken auf die Bilder und Texte in den drei Spalten komplett und besser lesbar aufgefahren werden.
Start-Touchscreen für den ca. 2 m x 1 m großen Monitor, über den der angeschlossene Computer gesteuert wird. Das „Werk“ ist im Museum bereits installiert, befindet sich noch im Aufbau, geht aber der Vollendung entgegen und kann bereits in Aktion bedient werden, darunter Videos zum Impakt. Über die Startfolie sind bis zu drei Unterebenen zu den einzelnen Hauptthemen verlinkt, von denen nachfolgend schon einige Beispiele zu sehen sind.
Seit kurzem befindet sich unser Impakt-Museum in Grabenstätt in einem neuen Gewand. Seit der Eröffnung im Jahr 2009 – das sind bald 15 Jahre – hat sich inzwischen beinahe unvorstellbar viel Neues an Forschungsergebnissen, neuen Funden und Befunden und Betrachtungsweisen ergeben, dass sich eine Neugestaltung zwingend aufgedrängt hat. Unseren Vorstellungen entgegen gekommen sind neue Möglichkeiten und Realisierungen von elektronischer Wissens- und Anschaungsvermitllung. Bei uns im Museum heißt das nun „Touch Screen“, was auf gut Deutsch soviel heißt wie: An der Wand befindet sich ein gigantischer Computer-Monitor mit einer Bildschirmdiagonale von 2 m, auf dem mit Fingerberührung auf dem Schirm das integrierte Computerprogramm gesteuert werden kann. In unserem Fall steuert das Programm dann eine im Prinzip unendlich umfangreiche Web-Seite über nunmehr seit fast 20 Jahren Forschung zum Chiemgau-Impakt mit allen nur denkbaren an“touch“baren Themenbereichen (Geologie, Mineralogie, Geophysik, Astronomie, Donnerlöcher, Furchensteine, die Kontroversen mit den lokalen und regionalen (LfU) Eiszeitgeologen, die mittlerweie berühmten Eisendilizide, der Chiemit, um nur einige zu nennen). Alles zusammen mit umfangreichem Bild- und Text-Material.
Anlässlich des 25jährigen Jubiläums des Vereins Astronomie im Chiemgau hielt Dr. Michael Rappenglück am 20. November im Haus St. Rupert in Traunstein einen Vortrag zum Chiemgau-Kometen mit dem Titel „Kosmische Brocken und irdische Relikte“. Wie üblich nach solchen Vorträgen durften aus dem Publikum Fragen gestellt werden, unter denen die Frage eines Zuhörers bsonders auffiel, weil sie offenbare einmal wieder die längst bewiesene Entstehung des Tüttensee-Kraters durch den Chiemgau-Kometenenschlag (Geophysik, Gravimetrie, Bodenradar, Seismik-Sedimentecholot, Impakt-Katastrophenschichten mit beweiskräftigen Schock-Effekte der Mineralogie, Impaktschmelzgesteine und Impaktgläser, extreme Deformationen der alpinen Gesteine, extreme Säure- und Temperatur-Korrosionen) in Frage stellte bzw. als nicht möglich charakterisierte. Das bereits vor Jahren schon in die Diskussion eingebrachte Argument lautete wiederum: Bohrungen der Geologen z.B. vom LfU in der Verlandungszone des Sees haben datierbare Torf-Ablagerungen durchteuft, die den Impakt offensichtlich trotz der extremen Temperaturen eines Kometen-Einschlags überhaupt nicht bemerkt haben, z.B. durch Brandspuren oder Aschebildungen.
Hier zeigt sich einmal wieder, das selbst unter Geologen nach 20 Jahren Impakt-Forschungen zum Chiemgau-Impakt mit dem Tüttensee-Meteoritenkrater und mittlerweile unzähligen internationalen Publikationen nicht wirklich verstanden wird, was physikalisch und geologisch bei einem Impakt passiert, wie wir es heute in aller Deutlichkeit und und in allen Einzelheiten im Gelände und im Labor beobachten können.
In zahlreichen früheren Artikeln hier auf unseren Chiemgau-Impakt-Webseiten haben wir immer wieder auf die grundsätzliche Fehlbohrung des LfU hingwiesen, von der zunächst in einer Pressemitteilung des LfU (Dr. Eichhorn) die Falschbehauptung erhoben wurde, die Bohrung, die angeblich keinen Impakt habe nachweisen können, sei am Tüttensee-Kesselboden niedergebracht worden. Später „wanderte“ die LfU-Bohrung dann aus dem Krater heraus in die Verlandungszone zwischen dem mit der Geophysik präzise etablierten Kraterrand und dem Anstieg zum beim Impakt als Rest stehengebliebenen Ringwall (siehe folgendes Bild.)
Aus einer früheren Veröffentlichung zur völlig falsch platzierten Bohrung des LfU mit der völlig irreführenden Radiokarbon-Datierung der erbohrten Schichten einschließlich der hier auch zur Diskussion stehenden Torfschichten. auf die sich der Zuhörer beim Vortrag offenbar bezieht
Damit kommen wir zur Physik des Impaktes und zu den Temperaturen, die dabei entstehen und den Untergrund aufheizen, was in der Impaktforschung schon ziemlich lange gut untersucht und bekannt ist. Diese Temperaturen sind unmittelbar mit den extremen Schockdrücken verknüpft, die in Form der Schockfronten vom Kollisionspunkt an der Erdoberfläche etwa halbkugelförmig sich in den Untergrund ausbreiten und rasch an Stärke abnehmen. Die sich dabei in der Schockfront entlastenden Drücke sind untrennbar mit einem peakförmigen Temperaturanstieg verknüpft, der sich zusammen mit der Druckabnahme als Temperaturabnahme in den Untergrund nach unten und nach außen ausbreitet
Die dabei auftretenden Drücke und Temperaturen sind wohlbekannt und hängen natürlich auch von der Größe des Impaktes ab. Am Einschlagspunkt sind sie derart hoch, das etwa ein Volumen des getroffenen Untergrundes, das dem des einschlagenden Meteoriten entspricht, vollständig verdampft. Das sind Temperaturen von mehreren 1000°C, die auch das Projektil vollständig verdampfen lassen. Die Temperaturen nehmen dann rasch ab, sodass in einem flachen schüsselförmigen Bereich darunter das Gestein nur noch schmilzt.
Und dann wirkt nur noch der Schockdruck, der die folgenden Gesteine nur noch zertümmert, was letztlich dann den Auswurfvorgang mit Ringwall-Entstehung einleitet.
Die Druck- und Temperaturabnahme nach unten und außen kennen die Impaktforscher gut, die von einer exponentiellen Abnahme von im Mittel vielleicht der dritten Potenz ausgehen. Das heißt ganz grob, dass auf doppelte Entfernung Druck und Temperatur auf 1/8 abnehmen. Wird das vom Einschlag bis zum Kraterrand „durchdacht“ und extrapoliert, so stellt sich heraus, dass sich die Energie der sich ausbreitenden Schockwelle am Kraterrand so weit abgeschwächt hat, dass sie von dort nur noch die Energie einer normalen seismischen Schallwelle besitzt und sich als solche weiter ausbreitet. An dieser Stelle „merkt“ das Gestein natürlich überhaupt nichts mehr von einer Temperaturerhöhung durch den Impakt. Wir können von „Zimmertemperatur“ sprechen.
Das übertragen wir jetzt auf den Tüttensee-Impakt, die falsche Bohrung des LfU und die nicht erhitzten Torfschichten.
Computersimulationen ergeben, dass das Projektil, das den Tüttensee getroffen hat, vielleicht 30 m gr0ß gewesen ist. Das bedeutet, dass ein grob 30 m großes Volumen am Auftreffpunkt verdampft ist, was auch für den Meteoriten gilt. Reste des in die Atmosphäre entwichenen Dampfes finden wir heute vermutlich noch in Form kondensierter und abgeregneter Glas-, Metall- und Kohle-Spherulen sowie der Chiemit-Partikel. Unterhalb der 30 m verdampften Schicht haben sich dann die Impakt-Schmelzgesteine gebildet, die – ausgeworfen – heute noch vebreitet gefunden werden. Nehmen wir an, dass die Schmelztemperaturen größenordnungsmäßig 1000 °C betrugen, so dürften die dann nach unten folgenden nur noch zertrümmerten Gesteine nicht mehr besonders warm geworden sein. Am Kraterrand hat dann nur noch die seismische Schallwelle gewirkt mit Temperaturen vielleicht des heutigen Tüttensee-Wassers.
Das schematische Bild der heutigen Tüttensee-Kraterverhältnisse beantwortet schlüssig den Einwand des Zuhörers beim Vortrag. Blau beschreibt die Ausdehnung des Impakt-Kraters innerhalb des Sees und dort heute nur mit der Geophsik nachweisbar. Weiß gestrichelt etwa der Kamm des beim Impakt stehengebliebenen Ringwalls. Roter Pfeil: Etwa Lage der Bohrung des LfU mit der Radiokarbon-Datierung der normal geschichteten Seesedimente und der Torfschichten, die beim Impakt völlig kalt geblieben sind.
Ein Lichblick für die Veröffentlichung von Artikeln zum Chiemgau-Impakt und seiner wissenschaftlichen Erforschung.
Im Hinblick und als eine Reaktion auf eine ungute Entwicklung im Publikationswesen (Zeitschriften-Artikel, Peer-Reviews), die sich in der vergangenen Zeit in der Impaktforschung immer mehr breit gemacht hat und unter der insbesondere auch die Veröffentlichung unser Chiemgau-Impaktforschung unsäglich zu leiden hatte, ist jetzt eine Open-Access – Peer-Review-Zeitschrift gegründet worden, die einen signifikanten Kontrapunkt zu dieser kaum länger tolerierbaren Entwicklung setzten wird.
A Prominent Iron Silicides Strewn Field and Its Relation to the Bronze Age/Iron Age Chiemgau Meteorite Impact Event (Germany) [Ein herausragendes Eisensilizid-Streufeld und seine Beziehung zum bronze-/eisenzeitlichen Meteoriten-Einschlagereignis im Chiemgau (Deutschland)]
Anklicken des Links führt zum Herunterladen des kompletten Artikels.
Der umfangreiche Artikel beschreibt die Geschichte der Entdeckung und die folgenden, bis heute anhaltenden wissenschaftlichen Untersuchungen mit spektakulären Ergebnissen, die untermauern, dass es sich bei den Eisensiliziden, darunter der bemerkenswerte 8 kg-Fund bei Grabenstätt, um eine neue Klasse von Meteoriten handelt.
Wie sehr sie sich gleichen: Chiemgau-Impakt und Mars-Impakt.
Oben: Der Aiching/Dornitzen Halbkrater, der in die Inntal-Böschung gestanzt ist, nachdem die andere Hälfte vom Inn „abrasiert“ worden ist.
Darunter: (Von der NASA-Beschreibung übersetzt) Dieses Bild wurde am 12. März 2022 vom NASA Mars Reconnaissance Orbiter aufgenommen. Es zeigt einen Krater, der in die Mars-Oberfläche gestanzt ist und mehrere früher geformte Schichten freigelegt hat. Die Hälfte des Kraters wurde dann bei der Öffnung des Mars-Kanals zerstört. – NASA/JPL-Caltech/University of Arizona.
Der Chiemgau- und der Mars-Krater sind interessanterweise etwa gleich groß (50 m), wobei im Bild des Mars-Kraters noch Objekte von ca. 1,5 m Größe aufgelöst werden.
Im Hinblick auf den Tüttensee-Krater ist bei diesem Mars-Krater bemerkenswert, dass ebenfalls eine terrassenförmige Auswurf-Umrandung entstanden ist, nachdem eine Teil des kraterwärtigen Walls in die Hohlform zurückgeflossen ist.
Digitales Geländemodell DGM 1 des Tüttensee-Kraters mit dem wahren inneren Krater mit gut 300 m Durchmesser und dem 600 m messenden terrassierten Ringwall.
Artikel: Secondary cratering on Earth: The Wyoming impact crater field. More than three question marks. – Comment on the Kenkmann et al. article (GSA Bulletin)
Ein kürzlich erschienener Artikel von Kenkmann et al. im GSA Bulletin mit dem Titel (übersetzt)
Sekundäre Kraterbildung auf der Erde: Das Einschlagskraterfeld von Wyoming
hat vor allem im Internet zu einer Fülle von Reaktionen geführt und zu einem umfangreichen kritischen Kommentarartikel von Forschern des CIRT geführt, der HIER auf der Website für eine Einführung und HIER als PDF angeklickt werden kann.
und die neue Welt des Tüttensee-Impakts: der multiple Impakt mit drei größeren Strukturen und – auf der Endmoräne im Norden – eine Vielzahl kleinerer Krater. Ein ausführlicher Beitrag hier.
— Die Bezeichnung „größter Krater“ im Chiemgauer Meteoritenkrater-Streufeld mag mittlerweile nicht mehr zutreffen, nachdem ein etwa 900 m x 500 m großer Doppelkrater mit Ringwall am Boden des Chiemsees mit SONAR-Echolotmessungen nachgewiesen wurde (siehe hier).
— Mittlerweile mehr als 60 bis zu 3 m tiefe Schürfe um den Tüttensee herum haben eindrucksvolle Einblicke in die Lage aus Impakt-Auswurfmassen (Ejekta) verschafft. Sie stellt überwiegend eine bis zu 1 m mächtige polymikte Brekzie dar, die große Mengen von zertrümmerten alpinen Geröllen enthält und die reich an organischem Material (zersplittertes Holz, Holzkohle, zerbrochene Zähne und Knochen, (?) menschliche Haarbüschel) ist. Moderate bis starke Schockeffekte in einer großen Anzahl der Brekzien-Komponenten unterstreichen den Impaktursprung des Tüttensee-Kraters. In die Brekzie eingemischte Steinartefakte und Keramik-Scherben ermöglichen es, den Impakt in die Bronzeit oder jünger zu datieren, was ebenfalls nicht mit der Eiszeit-Entstehung des Tüttensee-Krater als Toteisloch – Meinung der lokalen und regionalen Geologen – in Einklang zu bringen ist.
— Messungen der Gravimetrie und der Seismik auf dem Tüttensee (siehe den Geophysik-Beitrag: https://www.chiemgau-impakt.de/einfuehrung/geophysik) und neue topographische Betrachtungen zeigen, dass die Impaktstruktur einen Wallkronen-Durchmesser von 600 m besitzt, während der eigentliche Kraterdurchmesser deutlich kleiner (etwa 300 m) und so in dem 400 m messenden Tüttensee „versteckt“ ist. Der größere Walldurchmesser lässt sich leicht mit dem sehr weichen, wassergesättigten Untergrundmaterial beim Einschlag erklären, das in der Exkavationsphase mit den Auswurfbewegungen einen absolut instabilen Ringwall bildete. In der anschließenden Modifikationssphase der Kraterbildung rutschte der kraternahe Großteil dieser losen Massen des Übergangswalls zurück und füllte dabei einen Teil des Übergangskraters wieder auf (siehe die Bildfolge unten).
Bildung des Tüttensee-Meteoritenkraters (stark vereinfacht) und der Ort der LfU-Bohrkernentnahme für die Radiokarbon-Datierung. Abbildung erstmalig publiziert in Antiquity 85, 2011, p. 279 (http://antiquity.ac.uk/ant/085/ant0850278.htm).
Dieses Model der Kraterbildung ist gut verträglich mit den seismischen Messungen, die zeigen, dass der Seeboden sich absolut von dem unterscheidet, was für einen “klassischen” See im postglazialen Alpenvorland zu erwarten ist, was einmal mehr die von lokalen und regionalen Geologen weiterhin proklamierte Toteisgenese der Tüttensee-Hohlform verwirft. Die seismischen Messungen belegen ebenfalls unübersehbar in den Seismogrammen, dass der von Geologen des LfU für Radiokarbon-Datierungen entnommene Bohrkern nichts anderes als eine ganz normale stratigraphische Abfolge deutlich außerhalb des eigentlichen Kraters enthält, was genau dort zu erwarten war. Die vom LfU in der Presse und dann in einem Artikel großsprecherisch verkündete Botschaft, dass der Chiemgau-Impakt “erledigt” sei, war damit allerdings völlig substanzlos und demonstrierte, dass am LfU der Sachverstand für Impaktprozesse und Impaktgeologie nicht vorhanden ist. Das kann hier auf der Webseite unter dem Menüpunkt Diskussion in allen Einzelheiten nachgelesen werden.
Der Tüttensee – bisher größter Krater im Streufeld (ursprünglicher Beitrag)
Einführung
Der Tüttensee (Abb. 1, 2) mit etwa 400 m Durchmesser gilt im Rahmen des Chiemgau-Impaktes als der bisher größte der Einschlagkrater. Er liegt nahe der Ortschaft Grabenstätt am Chiemsee. Seine Position am südwestlichen Ende des Kraterstreufeldes zusammen mit anderen größeren Kratern spiegelt die theoretische Verteilung von Meteoritenkratern in einer Streuellipse – pauschal zunehmend größere Krater in Einflugrichtung – wider, so wie es in anderen Meteoritenkrater-Streufeldern auf der Erde verwirklicht ist.
Abb. 1. Der Tüttensee in der topographischen Karte und im Satellitenbild (DSat2).
Abb. 2. Der Tüttensee im Luftbild. Foto: Gerhard Benske.
Nach amtlichen Angaben ist der See im Mittel knapp 10 m und maximal 17 m tief. Dem steht eine unbestätigte Zahl von 70 m Tiefe gegenüber, die angeblich Taucher punktuell bei einer Lotung ermittelt haben sollen. Mit einer geophysikalischen Messung (Gravimetrie)wurde versucht, eine bessere Annäherung an die wirkliche Tiefe zu erhalten, was nur sehr bedingt gelang. Danach scheint die amtliche Tiefe zu gering und die gelotete Tiefe von 70 m weitaus zu groß zu sein. Werte um 20 – 30 m erscheinen plausibel, wobei der Unterschied zur amtlichen Tiefe mit einer mächtigen Schicht aus verfestigtem organischem Material über dem Seeboden erklärt werden kann.
Umgeben ist der Tüttensee von einem ausgeprägten, unvermittelt aus der Chiemsee-Verlandungsebene aufragenden Ringwall mit einer Höhe von etwa 8 m (Abb. 3, 4, 5). Dieser auffallende Ringwall war ein erster Hinweis, den Tüttensee als möglichen Meteoritenkrater näher zu untersuchen.
Abb. 3. Der Tüttensee-Ringwall von außen (Blick von Süden).
Abb. 4. Der Tüttensee-Ringwall im (künstlichen) Anschnitt.
Abb. 5. Der Tüttensee-Ringwall von innen. Aufgenommen während einer Geophysik-Meßkampagne auf dem Eis.
Vor der Entdeckung des Impakt-Phänomens wurde der Tüttensee ohne bekannt gewordene weitere geologische Untersuchungen allgemein als ein Relikt aus der Eiszeit, als eine wassergefüllte Toteiswanne angesehen. Diese Deutung wird auch nach wie vor von Geologen aus der Region und von Mitarbeitern des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, geologisches Landesamt, vertreten und heftig verteidigt (Doppler & Geiß 2005). Die Verteidigung der Toteis-Genese basiert auf einer Geländebegehung dieser beiden Autoren sowie auf dem Verweis auf ein topographisches Geländemodell. Diese Ansicht wird weiter aufrecht erhalten, trotz der von den Impaktbefürwortern vorgelegten klaren Impaktbefunde. Die Reaktion der Toteis-Befürworter ist die typische Reaktion, die in der Historie der Impaktforschung seit 100 Jahren zu beobachten ist, wenn ein neuer Meteoritenkrater, eine neue Impaktstruktur „auf den Plan tritt“: Die neue Entdeckung paßt nicht in die bisherigen Modellvorstellungen der regionalen Geologie. Indirekt ist verständlicherweise der Vorwurf impliziert, daß die bisherigen regionalgeologischen Untersuchungen den Impakt nicht erkannt haben. Ausführlicher wird diese Konstellation und Konfrontation in dem Artikel CIRT (2005) erörtert, in dem kritisch zu der Arbeit Doppler & Geiß (2005) Stellung genommen wird.
Hier stellen wir im Rahmen dieser Diskussion die beiden Modelle vor, insbesondere die neuen Untersuchungsergebnisse, die sehr stark für eine Impaktgenese des Tüttensees sprechen. Für eine Vertiefung in die Materie wird auf die anklickbaren ausführlicheren Texte verwiesen.
Toteismoränen – Toteiswannen – Toteislöcher
sind aus allen Vereisungsgebieten der Erde bekannt (Abb. 6, 7, 8, 9). Bei Stillstand und Rückzug von Gletschern können sich Eiskörper ablösen (Abb. 10 A) – sie sind “totes Eis“. Werden diese isolierten Toteiskörper mit von Flüssen herantransportiertem Gletscherschutt zugedeckt und gegen Wärme und Sonneneinstrahlung abgeschirmt, können sie über lange Zeiträume im Untergrund erhalten bleiben (Abb. 10 B). Beim endgültigen Zusammenschmelzen sackt der Gletscherschutt nach, und es bilden sich Wannen – die Toteislöcher (Abb. 10 C). Seen können sich dann in den Toteiswannen bilden, wenn diese ins Grundwasser hinabreichen oder am Boden mit abdichtenden Schichten ausgekleidet sind.
In manchen Fällen können Toteiswannen von Hügeln ringartig umgeben sein. Man erklärt solche Formen durch unterschiedliches Schmelzen im Zentrum und am Rande des zugedeckten Toteiskörpers.
Abb. 9. Einzelne Toteiswanne in North Dakota (USA).
Abb.10. Die Phasen der Entstehung von Toteislöchern. Beim Stillstand und Rückzug von Gletschern können sich Eiskörper ablösen (A) – sie sind “totes Eis“. Werden diese isolierten Toteiskörper mit von Flüssen herantransportiertem Gletscherschutt zugedeckt und gegen Wärme und Sonneneinstrahlung abgeschirmt, können sie über lange Zeiträume im Untergrund erhalten bleiben (B). Beim endgültigen Zusammenschmelzen sackt der Gletscherschutt nach, und es bilden sich Wannen – die Toteislöcher (C).
Meteoritenkrater – Impaktstrukturen
Die Bildung von Meteoritenkratern bei einem Impakt wird heute weitgehend verstanden (Abb. 7).
Abb. 11. Die Phasen der Entstehung eines einfachen, schüsselförmigen Meteoritenkraters. Beim Auftreffen eines kosmischen Projektils laufen Schockwellen extremer Energie in den Untergrund (A). Sie initiieren Verdampfen, Schmelzen und Zertrümmern des Gesteinsmaterials sowie die Aushöhlung des Kraters und den Auswurf (B). Nach der Druckentlastung verbleibt ein Krater mit einer Bodenbedeckung und einem Wall aus mehr oder weniger beanspruchten Gesteinen (C). Ausführlicher im Text.
Ein Projektil (Impaktor), das ab einer Größe von etwa 10-20 m die Erdatmosphäre praktisch mit kosmischer Geschwindigkeit ungebremst durchschlägt, erzeugt beim Aufprall extrem starke Drücke, die sich in Form von Schockwellen in den Untergrund, aber auch in das Projektil ausbreiten (A). Verknüpft mit den Schockdrücken sind extrem hohe Temperaturen, die ausreichen, um das meteoritische Projektil beim Eindringen in die Erde in einer gewaltigen Explosion zu verdampfen. Verdampft und zusätzlich geschmolzen wird auch ein Teil des betroffenen Untergrundgesteins. Dieses Volumen wird durch die Ausbreitung der Schockwellen rasch zu einem Krater vergrößert. Unter hohem Druck wird dabei Gesteinsmaterial gegen Wände und Boden dieses Kraters gepreßt (B), zunehmend deformiert und zerbrochen und teilweise aus dem Krater als Auswurfmassen hinausgeschleudert (B), wodurch sich am Kraterrand ein Ringwall bildet, um den noch ein Schleier aus Auswurfmassen angeordnet ist (C). Nachdem die Kompression der Schockwellen-Bewegung nachgelassen hat, kommt es am Kraterboden durch die Druckentlastung zu gegenläufigen Bewegungen, die den Krater wieder flacher machen und an seinem Boden zertrümmertes Gestein hinterlassen (C). Eine solche schüsselförmige Struktur nennt man in der Impaktforschung einen einfachenKrater.
Übersteigt der Durchmesser eines Krater einige Kilometer, so kommt es in der Spätphase des Einschlags zu einem zusätzlichen Kollaps der riesigen Hohlform mit der Folge, daß durch den Massenschub ins Innere Zentralberge und Ringe entstehen können. Ein solcher, sogenannter komplexer Krater ist die 25 km messende Ries-Impaktstruktur (Nördlinger Ries) in Bayern.
Bei dem beschriebenen Impaktprozeß eines Großmeteoriteneinschlages sind die Schockwellen das besonders hervorstechende Merkmal. Sie steuern die Bewegungen der Gesteinsmassen bei der Kratervergrößerung, und sie hinterlassen charakteristische Merkmale in Mineralen und Gesteinen, die man von anderen geologischen Prozessen nicht kennt.
Der Tüttensee – ein eiszeitliches Toteisloch oder ein Meteoritenkrater?
Was spricht für ein Toteisloch? Der Tüttensee liegt in einer eiszeitlich geprägten Landschaft, in der Toteiswannen mit und ohne Wasser zum normalen Erscheinungsbild gehören.
Was spricht für einen Meteoritenkrater? Der Tüttensee besitzt einen gleichmäßig ausgeformten Ringwall. Die runde, aber nicht kreisförmige Umrandung kann durch den Einschlag eines zuvor auseinandergebrochenen Projektils erklärt werden. Stark unregelmäßige Krater gibt es auch in den Kraterstreufeldern von Henbury und Kalijaarvi. Der regelmäßig geformte Ringwall ist viel eher mit einer zentralen Einschlagexplosion als mit dem unregelmäßigen Abschmelzen eines Toteiskörpers zu vereinbaren. Trotzdem verweisen Doppler und Geiß (2005) auf die Morphologie als beweiskräftig für eine Toteisgenese, wobei anzumerken ist, daß morphologische Gegebenheiten ohnehin ganz am Ende der Kriterien „Impakt oder nicht Impakt“ stehen.
Auch geologische Ablagerungsformen, von Doppler und Geiß (2005) nach einer Begehung des Geländes um den Tüttensee und aufgrund von Einblicken in eine Kiesgrube zitiert, sind wenig aussagekräftig. Es muß immer wieder betont werden, daß bei einem Impakt geologische Prozesse ablaufen (Sedimentation, Erosion Faltung, Bruchtektonik), die dem Geologen sonst aus der „normalen“ Geologie vertraut sind – nur daß beim Impakt diese Vorgänge, und auch eine Abfolge dieser Vorgänge, in unerhört kurzer Zeit ablaufen. Das ist auch einer der Gründe, weshalb viele Geologen grundsätzliche Schwierigkeiten mit dem Verständnis von Impaktvorgängen haben.
Beim Tüttensee kommt hinzu, daß eine sehr komplexe Struktur das Resultat des Einschlages eines mehrfach zerbrochenen und möglicherweise zuvor explodierten Projektils sein kann, wobei die Eigenart eines Kometeneinschlages eine besondere Rolle gespielt haben könnte. Morphologische und sedimentäre Verhältnisse um den Tüttensee erhielten vermutlich ein besonderes Gepräge durch den Einschlag in das Flachwasser des damals größeren Chiemsee sowie durch vermutete weitere Einschläge ins Wasser mit den enormen Auswirkungen starker Flutwellen – nachdem sich ein primärer Tüttenseekrater gebildet hatte. Mit der Annahme zusätzlicher ausgedehnter Gesteinsverflüssigungen und Kompaktionen in den quartären Sedimenten (siehe weiter unten: Geophysik ) sind weitere komplexe Konstellationen in der Tüttensee-Geologie zu erwarten, die man nicht allein mit der Anlage eines kleinen Schurfes (wie vom Geologischen Landesamt vorgeschlagen) erfassen kann.
Zwingend für die Ansprache des Tüttenseekraters als eine Impaktstruktur sind allein die Befunde zu außergewöhnlichen Hochdruck-Kurzzeit-Deformationen der Gesteine sowie der Nachweis von Schockeffekten in Mineralen, die nach dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft kennzeichnend für einen Impakt sind. Weniger zwingend, aber das Impakt-Modell stützend sind die geophysikalischen Messungen und der Nachweis eines Impakthorizontes in der Nähe des Tüttensees.
Abb. 12. Aus dem Ringwall des Tüttensees. Wie „überleben“ solche scharfkantig gebrochenen Komponenten einen Transport in einem reißenden Fluß – im Fall, daß die Anlage des Tüttensee-Ringwalls beim Zudecken des Toteises erfolgte?
Abb. 13. Deformiertes Geröll aus dem Tüttensee-Ringwall. Man beachte die rotierten Brüche und die Kohärenz von Komponente und aufgebogenen scharfkantigen Fragmenten (Pfeile).
Makroskopische Gesteinsdeformationen
Eine große Zahl von Geröllen, die in Schürfen aus dem Ringwall des Tüttensees geborgen wurden, weisen Deformationen auf (Abb. 12, 13), die einen Transport in einem – wegen der Größe der Komponenten – reißenden Fluß über mehr als 50 m nicht überlebt hätten, ohne auseinanderzufallen. Insbesondere bei ursprünglich scharfkantig zugerichteten Kalksteinkomponenten wäre auch eine transportbedingte Zurundung zu erwarten. Deshalb ist es nicht nachvollziehbar, daß das Material des Tüttenseeringwalles fluviatil zur Abdeckung eines Toteiskörpers im Untergrund des heutigen Tüttensees herantransportiert worden sein soll. Bezeichnend ist, daß derart deformierte Komponenten in den nächstgelegenen Kiesgruben nicht beobachtet werden.
Tatsächlich sind die beobachteten Deformationen charakteristisch für eine Hochdruck-/Kurzeit-Beanspruchung bzw. für dynamisch wirkende Schockimpulse.
Abb. 14. Scharfkantig zerbrochene Komponente aus dem Ringwall des Tüttensees spricht gegen Flußtransport und gegen eine Toteisanlage des Ringwalles. Die rotbraunen Farben könnten ein Indiz für eine Einwirkung hoher Temperaturen („Frittung“) sein.
Ausführlicher wird auf diese Prozesse im Menüpunkt Makroskopische Deformationen eingegangen. Hier führen wir kurzgefaßt die beiden wichtigsten Vorgänge an:
— Hochdruck-/Kurzzeitdeformationen
— Spallation
Kennzeichnend für eine Hochdruck-/Kurzeitdeformation sind plastische Verformungen und komplexe Sprödbrüche in Komponenten, die in einer unverfestigten Matrix eingebettet sind. Ein sehr hoher Umschließungsdruck ist neben einem überlagerten differentiellen Druck erforderlich, damit in der weichen Matrix überhaupt eine ausreichende Energieübertragung möglich ist und damit trotz der Zerpressungen und Scherungen/Torsionen die Komponenten kohärent zusammenhängend bleiben. Und eine sehr kurzzeitige Beanspruchung ist zwingend, da bei langanhaltender langsamer Deformation die Komponenten in der weichen Matrix dem Druck einfach ausweichen oder letztlich doch vollständig zerschert würden. Beim Impakt sind hohe Umschließungsdrücke bei der Krateraushöhlung (Exkavation), beim Transport der Massen nach außen und bei der Ablagerung der Ejekta gegeben. Es versteht sich, daß es sich bei einem solchen Impaktgeschehen um einen Kurzzeitvorgang handelt.
Spallation (= Abplatzen, Zerplatzen; nicht zu verwechseln mit der Neutronenspallation) ist ein Vorgang, der durch kompressive Schockimpulse ausgelöst wird. Solche Schockimpulse werden an freien Oberflächen oder an Materialgrenzen reflektiert, was zu sehr starken Zugimpulsen führen kann. Da die Zugfestigkeit von Materialien stets deutlich kleiner ist als die Druckfestigkeit, ist die zerstörende Wirkung der reflektierten Zugwellen in aller Regel viel größer als die der primären Druckwellen. In der Schockphysik und in der technischen Bruchmechanik, vor allem im Militärwesen, ist die Spallation deshalb ein wichtiger Prozeß und ein wichtiges Forschungsgebiet. Eine bedeutsame Rolle spielt die Spallation auch bei Impaktprozessen, weil auch hier die zerstörende Wirkung der als Zugwellen reflektierten Schockwellen besonders wirksam wird. Das kann das Aufbrechen riesiger Gesteinskomplexe betreffen aber auch bis in den mikroskopischen Bereich hinein beobachtet werden.
Im Fall des Chiemgau-Impaktes spielt die Spallation deshalb eine wichtige und auch auffallende Rolle, weil die besondere Art der Moränen- und Schotterablagerungen eine Schockspallation begünstigt. Bei den Komponenten der quartären Ablagerungen handelt es sich vorwiegend um harte, dichte Gerölle in einer unverfestigten Matrix. Beim Durchlaufen einer Schockwelle durch die Gerölle sind dann die reflektierten Zugwellen besonders stark, die die Gerölle förmlich auseinanderreißen können (siehe die Ausführungen und Abbildungen HIER). Der Effekt kann energetisch dadurch noch verstärkt werden, daß in den kugeligen Geröllen die Schockwellen (wie Lichtwellen durch eine Linse oder einen Hohlspiegel) fokussiert werden. Eine andere Möglichkeit, offene Zugrisse in Geröllen in einer weichen Matrix zu produzieren, ist schwer vorstellbar.
Schockeffekte in Mineralen werden bei der Ausbreitung von Schockwellen in Gesteinen erzeugt. Eine Schockwelle (oder Stoßwelle) ist eine Deformation, die sich wellenartig in einem Medium mit einer Geschwindigkeit ausbreitet, die höher ist als die Schallgeschwindigkeit (seismische Geschwindigkeit). Den Überschallknall von Flugzeugen erzeugen Schockwellen in dem Moment, in dem das Flugzeug schneller als der Luftschall fliegt.
Schockwellen in Mineralen hinterlassen je nach der Intensität unterschiedliche Spuren. Zu den wichtigsten gehören sogenannte planare Deformationsstrukturen (englisch: planar deformation features, PDFs), Abb. 15 A, zeigt eine Dünnschliffaufnahme mit solchen planaren Deformationsstrukturen in Quarz. Unter dem Mikroskop erkennt man mindestens fünf Scharen mit unterschiedlicher Orientierung. Bei diesen besonderen Strukturen handelt es sich um extrem engständige, parallele und optisch isotrope Lamellen, die nach kristallographischen Ebenen im Quarz ausgerichtet sind. Nach dem gegenwärtigen Stand der Kenntnisse (z.B. Stöffler & Langenhorst 1994) bilden sich multiple Scharen dieser engständigen isotropen Lamellen nur bei extremen Schockdrücken, und ihr natürliches Auftreten in Gesteinen wird generell als ein Beleg für einen Impakt angesehen. PDFs wurden in Dünnschliffen mehrerer Proben vom Tüttensee nachgewiesen.
Einen anderen Schockeffekt, allerdings geringerer Intensität, vermittelt Abb. 15 B, in Form von ebenen Brüchen nach kristallographischen Flächen in Quarz (englisch: planar fractures, PFs). Normalerweise zeigt Quarz keine solche Spaltbarkeit, und nur in ganz seltenen Fällen, bei extrem hohen tektonischen Drücken mag sie sich in den stärksten Stadien einer Regionalmetamorphose bilden. Spaltbarkeit bei Schock ist jedoch regelmäßig in Quarzen von Impaktstrukturen zu finden.
Die mikroskopischen Schockdeformationen in Gesteinen des Ringwalles vom Tüttenseekrater sprechen – neben den Hochdruck-/Kurzzeitdeformationen – deutlich für die Annahme einer meteoritischen Entstehung des Tüttensees, während die petrographischen Beobachtungen mit einem Toteiskessel nur schwerlich, wenn überhaupt in Einklang zu bringen sind.
Abb. 15. A. Schockeffekte in Gesteinen des Tüttensee-Ringwalles. Dünnschliffaufnahmen, gekreuzte Polarisatoren; Breite der Aufnahme ca. 500 µm. Fünf Scharen planarer Deformationslamellen (PDFs) in Quarz. Auf dem Photo sind nicht alle Scharen zu erkennen; sie werden aber bei Rotation des Dünnschliffs sichtbar.
Abb. 15. B. Schockeffekte in Gesteinen des Tüttensee-Ringwalles. Dünnschliffaufnahmen, gekreuzte Polarisatoren; Breite der Aufnahme ca. 500 µm. Scharen planarer Brüche (PFs; Spaltbarkeit) in Quarz.
Geophysik am Tüttensee
Geophysikalische Messungen wurden ursprünglich mit dem Ziel durchgeführt, genauere Daten über Tiefe und Form der Tüttensee-Struktur zu erhalten. In einem ausführlichen gesonderten Artikel werden diese Gravimetrie-Kampagne und ihre Ergebnisse beschrieben. Während die genaue Tiefe weiterhin unbestimmt bleibt, haben die Messungen im Umfeld des Tüttensees ein überraschendes Resultat insofern erbracht, als eine ringförmige Verdichtung im Untergrund festgestellt wurde (Abb. 16). Grundsätzlich zeigen Impaktstrukturen dort eine Verringerung der Dichten als Folge der Gesteinszerstörungen. Eine Erklärung für die Verdichtung um den Tüttensee herum liefern Beobachtungen bei sehr schweren Erdbeben, bei denen es durch den Bebenschock in porösen, unverfestigten wasserreichen Gesteinen zu einer Gesteinsverflüssigung mit anschließender Kompaktion kommen kann. Dieses Modell einer Bodenverflüssigung und Verdichtung wird auch für den Tüttensee angenommen, wo statt eines Erdbebenschocks der Impaktschock mit der Ausbreitung der Stoßwellen und der Schocknachströmung wirksam wurde.
Abb. 16. Ergebnis der geophysikalischen Messungen (Gravimetrie) am Tüttensee: Die negative Schwereanomalie über dem eigentlichen See ist umrahmt von einem nicht ganz geschlossenen Ring positiver Anomalien. Dieser Ring wird als die Folge einer Gesteinsverdichtung um den Krater herum beim Impakt gedeutet.
Ein Impakthorizont bei Grabenstätt – Ejekta aus dem Tüttensee?
Am östlichen Ortsrand von Grabenstätt wurde durch eine Baugrube und einen zusätzlichen Schurf auf einer Fläche von über 100 m² ein exotischer Gesteinshorizont freigelegt (Abb. 17), der mit den dort bekannten und vertrauten pleistozänen und holozänen Ablagerungen nichts gemeinsam hat. Eine Ablagerung im Zusammenhang mit dem Chiemgau-Impakt, wahrscheinlich als Auswurfmassen (Ejekta) des Tüttensees, muß angenommen werden. Die Ablagerung ist komplex aufgebaut, enthält kleinstückig und scharfkantig zerbrochenes Material in Form einer Breccie, extrem korrodierte, zum Teil skelettartig ausgeformte silikatische und karbonatische Gerölle, sowie kohlig ummantelte Gerölle, in denen röntgenographisch Graphit nachgewiesen werden konnte. Während die Herkunft des Graphits noch rätselhaft ist (die Möglichkeit einer Anlieferung mit dem Projektil als kosmisches Material muß in Erwägung gezogen werden), könnte die extreme Korrosion auf eine Gesteins-Ätzung/-Lösung durch Salpetersäure-Niederschläge unmittelbar nach dem Impakt zurückgeführt werden. Die Bildung großer Mengen von Salpetersäure in der Explosionswolke großer Impakte mit der Beteiligung des Stickstoffs der Atmosphäre ist in der Impaktforschung nicht umstritten.
Gegenwärtig wird dieser Horizont mineralogisch-petrographisch und geochemisch genauer untersucht. Etwas ausführlicher wird er in dem Abschnitt Ein Impakthorizont bei Grabenstätt des Menüs beschrieben.
Abb. 17. Der Schurf bei Grabenstätt mit dem Impakthorizont. Der Impakthorizont wird als Auswurfmaterial (Ejekta) aus dem Tüttensee-Krater gedeutet. Abb. 18. Der Schurf bei Grabenstätt mit dem Impakthorizont- Detail. Der Impakthorizont wird als Auswurfmaterial (Ejekta) aus dem Tüttensee-Krater gedeutet.
Anklicken des Bildes führt Sie direkt zum virtuellen Impakt-Museum-Grabenstätt, das aus Anlass eines füheren Internationalen Museumstages ganz neu gestaltet und auf neuesten Erkenntnisstand gebracht wurde.
Im Hinblick auf den kürzlich erfolgten Wikipedia-Eintrag zum Chiemgau-Impakt, auf schlimme Art und Weise nach einem vorherigen Enzyklopädie-Eintrag mit Hilfe der „einschlägig“. bekannten Ablehner und eines offensichtlich assoziierten Administrators nunmehr wieder zu einer Meinungsmaschine geworden ist (unser Kommentar dazu), legen wir auch denjenigen Interessierten am Impakt, die das jetzt ganz neu gestaltete reale Museum nicht besuchen können, diesen virtuellen Besuch ans Herz.